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Am 22.02.1967 gewann die deutsche Fußballnationalmannschaft in Karlsruhe das Länderspiel gegen Marokko mit 5:1 Toren. Kiesinger war zu dem Zeitpunkt bundesdeutscher Kanzler und zwei Tage zuvor führte die DDR ihre eigene Staatsbürgerschaft ein. Achja: Und ich wurde am 22.02.1967 in Leipzig geboren. Nach drei Jahren kindlicher Alleinherrschaft musste ich meinen Thron ab 1970 mit meinem kleinen Bruder teilen. Wir hatten das große Glück, in einem liebevollen Elternhaus aufwachsen zu dürfen. Unser „Kindergarten“ war der Connewitzer Wald und das abbruchreife Haus, in dem wir lebten, empfanden wir als heimelig. Dementsprechend traurig waren wir Kinder, als wir eine Neubauwohnung in Grünau beziehen mussten. Vorbei die Zeiten des-Kohlen-aus-dem-Keller-Holens und der Angst, dass des Nachts das Dach über unseren Köpfen zusammenbrechen könnte. Fernwärme und ein Bad mitten in der Wohnung versöhnten uns letztendlich.

Weil Schule ja bekanntermaßen den Lauf eines jeden Lebens nicht ganz unerheblich beeinflusst, sei an dieser Stelle erwähnt, dass auch ich selbige besuchte. 1973 begann ich meine oberschulische Laufbahn in der 7. Oberschule in Connewitz und beendete sie 1983 in der Alexander-Mattrossow-Oberschule in Leipzig -Grünau. Da mein Wunsch mit besonders jungen Kindern zu arbeiten bereits im Alter von 12 Jahren feststand, entschied ich mich konsequenterweise für eine Ausbildung an der medizinischen Fachschule der Stadt Leipzig zur Krippenerzieherin. Ältere Kinder erschienen mir zum damaligen Zeitpunkt suspekt… 😉

Dieses Fachschulstudium schloss ich 1986 erfolgreich ab und durfte von 1987 bis 1989 im Dauerheim für Säuglinge und Kleinstkinder sowohl für die Kinder, als auch als Mentorin für die Fachschulstudenten, Verantwortung übernehmen. In dieser Funktion wurde ich natürlich auch gebeten, der SED beizutreten. Aber weil nicht alles was sich reimt auch gut ist, habe ich diese Bitte mehrfach erfolgreich abgelehnt. Dieser Ablehnung verlieh ich durch einen im Mai 1989 gestellten Ausreiseantrag deutlich Nachdruck. Zu diesem Zeitpunkt habe ich mich auch mit meinem Mann verheiratet und wir sind es noch immer. Uns wurde im Oktober die offizielle Ausreise per Stempel genehmigt und wir siedelten in den Taunus bei Frankfurt am Main um. Trotz unserer geburtlich territorial bedingten Sprachbarriere gelang es recht schnell, uns in die fremde Gesellschaft zu integrieren. Wir konnten beide in unseren Berufen Fuß fassen, fanden Freunde und fühlten uns in Hessen wohl und willkommen. Dafür sind wir noch heute dankbar.

1991 hatten sich die Ursachen für unsere Ausreise in Wohlgefallen aufgelöst, so dass es uns wieder in die sächsische Heimat drängte. Im Dezember 1991 erblickte unsere Tochter Isabell das Licht dieser Welt und wurde für uns zum Lebensmittelpunkt. Nach einer wundervollen Zeit mit unserer Tochter wollte ich Erziehung wieder professionell betreiben. Zum heutigen Zeitpunkt mag die folgende Tatsache paradiesisch klingen, aber 1993 herrschten Kindermangel und Erzieherüberschuss und so hatte ich das Glück über eine Arbeitsbeschäftigungsmaßnahme (die Älteren kennen dieses Begriff noch unter dem Kürzel ABM) eine Stelle in einem Leipziger Hort zu erhaschen.

1994 hatte mein Mann die Idee, in Panitzsch ein Haus zu errichten. Nachdem ich mich geografisch erst einmal orientieren musste, weil ich vermutet hatte, dieses Dorf liegt irgendwo im Nirgendwo, fand ich seine Idee ganz brauchbar. Da es vielen jungen Familien ebenso gefiel an den Stadtrand zu ziehen, wurden natürlich auch Kita- Plätze gebraucht. Und so wurde Panitzsch für mich nicht nur Wohnort und Arbeitsort, sondern – ich hätte es nicht gedacht – auch Heimat. Im Wonnemonat Mai 1998 wurde unser Familienglück perfekt, denn unsere zweite Tochter Annabell komplettierte das Kleeblatt.

Seit 2004 leite ich nun die Kindertagesstätte in Panitzsch. Um diese Aufgabe angemessen erfüllen zu können, studierte ich von 2005 bis 2009 nebenberuflich an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur „Soziale Arbeit“.

Ich habe die Gebietsreform 1999 miterlebt und bin nicht nur überzeugte Europäerin, sondern auch stolze Borsdorferin.

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